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Erwachen
aus der Verzweiflung
Aus Leidestrunkenheit
emporgetaumelt seh ich
durch Tränen zitternd die erneute Welt.
Schon duftet Sommer an den Wäldern
hin –
o Abende voll grünem Schmelz, Sternhimmel du,
schon nah dem hohem Sommergewölk!
Freunde lebt ihr noch? Wein, glühst
du noch?
Bist du noch mein, verzauberte Welt,
die ich durch Tränen nur und von Ferne
wandeln sehe, wo lang ich nur Leere sah?
Hebt noch einmal der alte Reigen an,
zieht den Gestorbenen noch einmal der süße
Sommerzauber zurück?
Noch mißtraut dem Wunder die
Seele,
noch ist Sommer und Wald nicht wieder mein.
Aber heiliger glühen und klarer die Sterne,
schweigend horche ich hinan: Ihr Weltgeläut,
das so lang mir geschwiegen,
tönt mir ehern das Lied meines Schicksals,
und mein Herz tönt zagenden Widerhall.
Hermann Hesse
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Eine Weile
Eine Weile
werden wir uns
aufhalten
in dieser Welt
im aufrechten Gang
wenn er gelingt
kopfgetragen
solange der Kopf trägt
herzgebeutelt
solange das Herz schlägt
im Rhythmus
der ureigenen Uhr
eine Weile
werden wir bleiben
um weiter zu gehen
zu gesicherten Ufern
Annemarie Schnitt
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Jeder
von uns besitzt alles, was er braucht,
um sein tiefstes Wesen zu erforschen...
in der ganzen Menschheit gibt es niemanden,
der das für uns tun könnte.
Die Verantwortung und die Möglichkeit,
uns unser wahres Wesen bewusst zu machen und es
mit anderen zu teilen, liegt letztlich bei uns.
Roger Walsh und Dean Sharpio
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Da ist ein Land der Lebenden,
und da ist ein Land der Toten.
Die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende
– der einzige Sinn.
FINALE CON MOTTO
Du hast in mir viel Lichter angezündet
Mit blauen Träumen mir den Tag erfüllt,
Und alles Blühen, alles Leuchten mündet
Nach im Erlöschen hin zu deinem Bild.
Du kamst: Zum Garten ward das Grau der Straßen.
Du kamst nicht, und der Tag hat nicht gezählt.
Wie hat, allein das Leben mich gequält.
Der große Trug, den wir zu zweit vergaßen.
Es war der gleiche Sog in unserem Blut,
Die gleiche Saite, jäh entzweigerissen.
Ein müder Klang, um den wir selbst kaum wissen,
Jahrtausendalte, halberstorbene Glut.
Verwehter Ton, der noch im Klingen schweigt,
Gesumm, das ohne Anfang ist und Ende.
Da sich der Schatten deines Ahns dir neigt
Umfängt auch mich der Segen seiner Hände.
Stumm zu verlöschen ist der letzte Sinn,
Still fortzugehen, eh das Feuer schwindet.
Du hast mir viel Lichter angezündet...
Du sollst nicht wissen, daß ich einsam bin.
*****
Ich bin nicht tot, ich bin aus dem Traum
des Lebens erwacht.
(Inschrift auf einem Grabmal)
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Die Einsamkeit hat weiche,
seidige Hände,
aber mit starken Fingern ergreift sie das Herz
und läßt es vor Kummer erzittern.
Einsamkeit ist der Bundesgenosse des Schmerzes,
aber auch der Gefährte der geistigen Erhöhung.
Khalil Gibran
Ich
lebe ein doppeltes Leben
Wie kann ich dich jemals vergessen!
Du füllst meinen Tag und die Nacht.
Noch kann ich nur schwerlich ermessen,
wie reif mich dein Abschied gemacht.
Die Wunde wird nie in mir heilen,
im Schmerze gehörst du mir ganz.
So will ich die Nacht mit dir teilen,
als wäre sie Traum oder Tanz.
Du bist mir noch enger verbunden
als jemals im Leben zuvor.
So hab ich wiedergefunden,
was kurz an den Tod ich verlor.
Ich werde dich zärtlicher halten,
als je es im Alltag gelang,
wo andere Maßstäbe galten
und eins um das andere rang.
Wie innig sich Seelen umschweben,
seit deine Gestalt mir verblich!
Ich lebe ein doppeltes Leben:
Je eines für dich und für mich.
Waltraut
Puzicha

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Beim Tode eines geliebten
Menschen
schöpfen wir eine Art Trost aus dem Glauben,
dass der Schmerz über unseren Verlust
sich nie vermindern wird.
Marie von Ebner-Escherbach |
.....und ich möchte
sie, so gut ich es kann, bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste
in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie
verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache
geschrieben sind. Forschen sie nicht nach den Antworten, die ihnen nicht
gegeben werden können, weil sie nicht leben könnten. Und es
handelt sich darum, alles zu leben. LEBEN sie jetzt die Fragen. Vielleicht
leben sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages
in die Antwort hinein.
Rainer Maria Rilke
*****
Allein die Liebe erhält
und bewegt unser Leben
I.S. Turgenjew
***
Weg ohne Ziel
Schattengestalten
auf der verlassenen Straße
Nachtwanderer
Keine Rolle spielen
Keine Maske tragen
Einsam
doch nicht allein
Die Sterne
Der Mond
Die Nachtigall
Keine Fragen
Keine Suche nach Antworten
Nur sein
Wenigstens bis zum Morgengrauen
(Verfasser unbekannt)
***
Jedem, der seine Gedanken niederlegt, blickt schon
im Augenblick des Schreibens ein Größerer über die Schulter,
sei es ein Vergangener, Lebendiger oder noch Ungeborener. Wohl dem, der
diesen Blick fühlt: er wird sich nie wichtiger nehmen, als ein geistiger
Mensch sich nehmen darf.
Christian Morgenstern
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Für Einen
Die Andern sind das weite Meer,
Du aber bist der Hafen;
So glaub mir, kannst ruhig schlafen,
ich steuere immer wieder her.
Denn all die Stürme, die mich trafen,
sie ließen meine Segel leer.
Die Anderen sind das bunte Meer,
Du aber bist der Hafen.
Du bist der Leuchtturm, letztes Ziel,
kannst, Liebster, ruhig schlafen.
Die Anderen, das ist Wellenspiel,
Du aber bist der Hafen.
Mascha Kaleko
Liebe gibt nichts
als sich selber
und nimmt nichts
als aus sich selbst heraus.
Liebe besitzt nicht
und lässt sich nicht besitzen;
denn die Liebe genügt der Liebe.
Khalil Gibran
Verstehen
wann wirst du loslassen
aufbrechen ins Ureigene
dich selbst übersteigen
ins Verstehen
Annemarie Schnitt
Die
verstehen sehr wenig,
die nur das verstehen,
was sich erklären läßt.
Marie von Ebner-Escherbach
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Ich
möchte bei Dir sein
Zuzeiten verdunkelt sich
dein Leben.
Wo Du auch hinblickst:
Du nimmst nichts wahr
als Nacht.
Du schaust zurück,
und alles ist verfinstert.
Du schaust nach vorn:
nichts als Dunkelheit.
Du empfängst Zeichen der Liebe,
aber du misstraust ihnen.
Die Erfahrung hat dich gelehrt,
dass das Licht zurückkehrt,
und dennoch stehst du da
mit leeren Händen,
wagst nicht zu glauben
an den neuen Morgen,
weißt keinen Gott mehr,
obwohl du ihm begegnet bist.
Verfasser unbekannt
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Wenn es
gelingt
die Trauer
zu tauchen
ins Lächeln
wenn es gelingt
die Trauer
zu locken
ins Licht
wenn es gelingt
die Trauer
zu verwandeln
in Leben
was
wenn es gelingt
Annemarie Schnitt
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Sein Unglück ausatmen können,
tief ausatmen, so dass man
wieder einatmen kann.
Und vielleicht auch sein
Unglück sagen können...
Und weinen können.
Das wäre schon fast wieder Glück.
Erich Fried
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Die Zeit heilt nicht alles;
aber sie rückt vielleicht das Unheilbare
aus dem Mittelpunkt.
Ludwig
Marcuse
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Die
große, die Natur übertreffende Wahrheit
gelangt nicht durch Reden
von einem Geschöpf zum anderen.
Die Wahrheit sucht die Stille,
um der liebenden Seele
ihre wirkliche Bedeutung aufzutun.
Khalil
Gibran
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Wir sind
mit dem Unsichtbaren näher
als mit dem Sichtbaren verbunden.
Novalis
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Vielleicht sollten wir uns von dem Aberglauben
lossagen
alles verstehen zu müssen
und uns zu der Einsicht bekehren
im Höchstfall imstande zu sein
mit unserem Unverständnis
verständnisvoll umgehen zu können.
(Verfasser unbekannt)
***
“Es ist
ein sinnloser, brutaler Akte des Schicksals”, schreibt der
Wiener Psychoanalytiker Sigmund Freud, nach dem Tod seiner 27jährigen
Tochter Sophie, “so weit im Leben und so nahe dem Tode, ein
junges, blühendes Kind zu überleben.” Der Tod eines
Kindes ist “etwas, wobei man nicht anklagen und nachgrübeln
kann, sondern das Haupt beugen muß unter dem Streich, als
hilfloser, armer Mensch, mit dem höhere Gewalten spielen”.
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Tränenkrüglein
In alter Zeit, lange, bevor es dich und mich gab, da lebte einmal
eine Witwe, der ward ihr einziges Kind vom Tod geholt. Die vermochte
sich vor Herzeleid nicht zu fassen und weinte sich am Tag und in
der Nacht die Augen aus.
Es ergab sich aber, dass sie einmal des Nachts einen Botengang machen
musste von einem Dorf zum nächsten. Der Vollmond schien auf
das verschneite Land, aber sie sah die Schönheit nicht, denn
ihre Augen waren getrübt von all den vielen Tränen um
ihr Kind. Doch auf einmal tauchte eine seltsame Geisterschar vor
ihr auf, das war die Frau Berchta mit ihren Heimchen. Die zogen
auf dem verschneiten Feld mit leisem Singsang an ihr vorüber,
dann über den Heckenzaun und strebten nun dem Walde zu. Schon
war der Zug bei den ersten Tannen angekommen, da trippelte ängstlich
ein Kind mit nackten Füßchen im kalten Schnee der Schar
hinterher und schleppte an einem schweren Krug. Als es nun auch
an besagten Heckenzaun kam, waren die anderen schon alle hinüber.
So lief es denn ängstlich hin und her und suchte nach einem
Durchschlupf im Flechtwerk, denn der Steinkrug war viel zu schwer
für das zarte Kindchen, und es konnte ihn nicht drüber
heben. Da endlich erkannte die Frau, dass es ihr eigenes Kind war,
und es drückte ihr beinahe das Herz ab. Sie rief es bei seinem
Namen, aber das Heimchen hörte nicht hin.
Da fasste es die Mutter bei der Hand, doch das Kind erkannte sie
nicht. Der Mutter blutete das Herz bei alle dem, und sie weinte
und presste das Kleine an ihre Brust. Als aber die salzigen Tränen
des Kindes Äuglein netzten, da erkannte es die Mutter und sagte
wie im Traum: »O wie warm ist Mutterarm!« »Ach
Kind, willst du nicht kommen und im Haus deiner Mutter bleiben?«
fragte traurig die Frau. Sprach das Kind: »Lieb Mutter mein,
leg ab die Trauer und lass das Weinen. Denn alle Tränen, die
du vergießt, die fließen über mein Grab in diesen
Krug. Den muss ich nun nachschleppen, und er wird immer noch voller.
Da schau nur, mein Hemdchen ist schon ganz nass, und die Kinder
laufen mir alle davon. So gib mich doch endlich frei und lass mich
los.« Da weinte sich die Mutter einmal noch von Herzen aus,
küsste den blassen Kindermund, hob ihr Liebstes über den
Zaun und sah mit sehnendem Blick dem weißen Hemdchen nach,
bis es fern in der hellen Schar untergetaucht war. Wollte sie dann
wieder einmal der Gram übermannen und wollten ihre Augen überfließen
vor Kummer, so hat sie schnell an das Krüglein gedacht und
an den Zaun, schluckte tapfer die Tränen herunter und trug
nun ihr Weh ohne Frage und Klage.
Deutsches Volksmärchen
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Bäume sind
Heiligtümer.
Wer mit ihnen zu sprechen,
wer ihnen zuzuhören weiß
der erfährt die Wahrheit.
Sie predigen nicht Lehren und Rezepte,
sie predigen,
um das Einzelne unbekümmert,
das Urgesetz des Lebens.
Hermann Hesse
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Nicht da ist man daheim,
wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern da, wo man verstanden wird.
Christian Morgenstern
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"Die höchste Erziehung ist die,
welche sich nicht darauf beschränkt, uns Kenntnisse zu vermitteln,
sondern die unser Leben in Harmonie bringt mit allem Sein."
Rabindranath
Tagore
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Und wenn wir die ganze
Welt durchreisen, um das Schöne zu finden: Wir mögen es
in uns tragen, sonst finden wir es nicht.
Ralph Waldo Emerson
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Manche Menschen
wissen nicht
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich
ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüssten es,
wenn wir es ihnen sagen würden!
Petrus Ceelen |
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